Die Benediktinerabtei



Am Einfluß des Niemebaches lag schon vor rund 1000 Jahren das Gut Mimende oder Nimende (Ende der Nieme). Es gehörte dem Adeligen Albert von der Insula, vom Werder, Gieselwerder. 1093 kaufte Graf Heinrich der Dicke, der älteste Sohn des Grafen Otto von Northeim dieses Gut und errichtete, als Haus- bzw. Familienkloster, das Benediktiner-Kloster Bursfelde. Hier siedelten sich die bereits 822 aus dem 60 Kilometer entfernten Kloster Corvey nach Bursfelde gekommenen Mönche an.
Die Lage an der Wesertalstraße von Münden bis Lippoldsberg war von so großer Bedeutung, dass dem Kloster in der Kaiserurkunde von 1093 neben dem Markt- auch das Münzrecht verliehen wurde. Zudem erteilte Kaiser Heinrich IV dem Kloster das Privilegium, sich einen Schutz-Advokaten und einen Abt zu wählen.
Nachdem das Kloster im Mittelalter sehr heruntergekommen war, berief Herzog Otto der Einäugige von Braunschweig 1433 den "Professor aus dem Kloster Reinhausen" Johann von Minden (genannt Dederoth oder Deiderode) nach dem verwüsteten Kloster Bursfelde. Durch Abt Johannes IV (Dederoth) gelangte das Kloster wieder zu Ehren und legte den Grund zu der berühmten Bursfelder Congregation, durch die das Bursfelder Kloster zu einem Reformator der Benedektiner-Klöster wurde. Das Kloster bekannte sich zur Reformation. Insgesamt traten etwa 180 Klöster - einschließlich der Nonnenklöster - der Bursfelder Kongregation bei. Bis 1534 war der Abt von Bursfelde stets auch Präsident der Bursfelder Kongreation.
Neben der gesitlichen Reformation führte Abt Johannes IV im Bursfelder "Knigge" auch die "Bursfelder Tafelsitten" ein.
Heute werden Grund und Boden von der Klosterkammer verwaltet bzw. verpachtet. Der älteste Theologe der Fakultät der Göttinger Universität ist noch immer Abt von Bursfelde.
Im Jahr 1574 wurde das Kloster von einem großen Brand heimgesucht und brannte fast vollständig nieder.
Im Jahrhundert der lutherischen Reformation verlor Bursfelde allmählich seine Funktion und Bestimmung als Kloster. 1588 erklärte der Abt Melchior Bödecker seinen Übertritt zu der neuen Lehre.
Von 1630 bis 1648 wurde das Kloster vorübergehend von Jesuiten besetzt. Die letzten Mönche lebten mit ihrem Abt bis 1672 in Bursfelde.
Zu Beginn des 18. Jahrhundert war vermutlich von der gesamten Anlage kaum mehr als die Kirche nutzbar. Um 1720/22 ließ schließlich der baufreudige Landgraf Carl zu Hessen über den Resten des verfallen Klosters die weiträumig angelegten Gebäude einer Domäne errichten. In dieser Zeit entstand über dem Westflügel das barocke Gutshaus. Die Kirche selbst wurde von den Baumaßnahmen nicht berührt.Erst in der Mitte des 19.Jahrhunderts erfuhr diese, vor allem im Inneren, eine einschneidende Umgestaltung, durch die das heutige Bild geprägt wird. Da die Westkirche für die kleine evangelische Ortsgemeinde viel zu groß und im Winter zu kalt war, wurde sie mehr und mehr zum Speicher degradiert. Man richtete den Chor, die kleinere Ostkirche, für die Gemeindegottesdienstes her. Die hohen gotischen Fenster der Giebelwand wurden zugemauert, Malereien übertüncht und im Westen der Ostkirche wurde bis zur Höhe des Gesimses eine Trennmauer eingezogen.
So war 1846 aus dem großen romanischen Entwurf von Basilika und Langchor ein dreigeteiltes Gebäude geworden, dass die alten baulichen und liturgischen Perspektiven nur noch erahnen lässt.

Ihr jetziges Aussehen erhielt die Klosterkirche erst zwischen 1901 und 1904. Bei umfassenden Restaurierungsarbeiten mussten auch die Turmunterbauten bis auf die Fundamente abgetragen werden. Es entstand eine an niedersächsischen Vorbildern orientierte, auf historisierende Formen zurückgreifende Doppelturmfassade, die von Spitzhelmen bekrönt wird und einen markanten landschaftsprägenden Akzent im Oberwesertal setzt.
Unweit der Wirtschaftsgebäude ließ die Klosterkammer 1898/99 eine neue "Mühlenanlage" mit Gasthaus (heute noch "Zur Klostermühle") erbauen.
Im Sommer 1971 begannen die Bursfelder Kulturtage in der Westkirche, die Ostkirche blieb dem Gottesdienst vorbehalten. Im ehemaligen Gutshaus entstand seit Ende der 70er Jahre ein kirchliches Tagungszentrum.
Bis 1968 war Bursfelde selbstständige Gemeinde und wurde dann in die Gemeinde Hemeln eingegliedert. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahrzehnten auf knapp 50 zurückgegangen.