Kultur- und Waldgeschichte

Für Bursfelde hatte der Wald jeher eine ganz zentrale Bedeutung.
So wie der Wald heute mehrere Produkte (Erholung, Naturschutz, Holz) gleichzeitig erzeugt, so war er auch schon vor Jahrhunderten vielerlei Zwecken dienstbar.
Insbesondere die Klöster brachten fortgeschrittene Kulturtechniken in die Regionen, so auch in Bursfelde. Beispiele hierfür sind der Weinanbau, der Obstbau und die Glasproduktion.

Der Bramwald und die Weser
Eine besondere Rolle spielte für Bursfelde der Bramwald. Schon Tacitus beschrieb ihn zu seiner Zeit. Zur Zeit Karl des Großen trennte der Bramwald das Gebiet der Franken und der Sachsen. Das Waldgebiet wurde als und urchdringlich beschrieben.
In Verbindung mit der Weser, die bis zum Bau der Eisenbahn einen der wichtigsten Transportwege darstellte, wurde das Holz der angrenzenden Wälder zu Flößen gebunden und diente als Transportmittel für zahlreiche Güter (Leinen, Töpferwaren, Glas).

Hutewälder
Unter breitkronigen Eichen wurden seit germanischen Zeiten bis 1874 die Schweine gemästet.
Im Bramwald findet man noch heute Reste dieser Hutewälder.
Die Weiderechte Bursfeldes wurden 1874 abgelöst (abgekauft).
Bursfelde trieb letztmalig 1909 Schweine in den Wald.

Köhler-Meiler
Erst die Eisenbahnen ermöglichten den Transport der Steinkohle überallhin.
Bis dahin lieferte allein das Holz die Wärme in den Häusern und auch die
Energie für industrielle Zwecke.
Davor wurde das Holz von den Köhlern zu Holzkohle verkohlt.
Sie hat einen höheren Brennwert und ein geringeres Gewicht als Holz und
wurde u.a. zu der Produktion von Glas und Eisen benötigt. Noch im vorigen
Jahrhundert gaben die rauchenden Meiler hier der Landschaft ihr Gepräge.
Im Bramwald wirkten bis 1921 der Köhlermeister Wilhelm Grote aus Fürsten-
hagen und bis 1926 der Köhlermeister Heinrich Osenbrück und sein Sohn
Willi aus Hemeln.

Glasherstellung
Zur Glasherstellung benötigte man große Mengen an Holz ( am geeignetsten
Buche). Holzkohle brauchte man zum Schmelzen von Quarzsand (Hauptbe-
standteil des Glases).
Durch Grabung fand man im Niemetal einen der ältesten Glashüttenstandorte
Niedersachsens ( etwa 1200 - 1250 ).
Hatte eine Glashütte das Holz der näheren Umgebung verbraucht, so wurde
sie verlegt, sie "wanderte".
1543 hat die Herzogin Elisabeth zu Hann.Münden dem Glasemeister Michael
Wenzel die vertragliche Erlaubnis zum Betrieb einer Wanderglashütte im
Bramwald gegeben (älteste Urkunde): "Holz auf Anweisung der Förster mäßiglich hauen". Es blieb ein Schirm alter Buchen zur Naturverjüngung.
Die Zeit der Waldglashütten im Niemetal endete 1767, als eine ortsfeste Pro-
duktionsstätte, die heutige Ortschaft Glashütte, errichtet wurde. Sie produzierte bis 1872.

Die Bleiche
Die über Winter in Bursfelde gewebten Leinenbahnen waren schmutzig-
grau. Im Frühjahr wurden sie auf dem noch kurzen Gras vier bis fünf Wochen
zum Bleichen ausgelegt.
Das Tuch wurde regelmäßig mit Niemewasser besprengt.
Zuvor und zwischendurch wusch man das Leinengewebe mit Pottaschenlau-
ge, um den Bleichprozeß zu unterstützen.
Leinen war wertvoll, deshalb mußte es bewacht werden.
Etwas oberhalb im Niemetal stand eine Bleichhütte. Der Aufpasser fand dort
Schutz vor der Witterung und übernachtete da.

Auf derselben Wiese befanden sich Mulden, die mit Wasser aus dem Mühlen-
graben gefüllt wurden, um den darin ausgebreiteten Flachs zu rotten. In die-
sen "Rottkuhlen" lösten sich durch Zersetzungsprozesse aus den Flachs-
pflanzen die Fasern, aus denen das Leinen gewebt wurde.

Trift und Mönchsweg
Triften sind mit Wällen und Hecken eingehegte Wege, auf denen man das
Vieh möglichst direkt von den Dörfern zu den Waldweideflächen (Hute-
flächen) trieb.
Oberhalb des Ortes verlief die ehemalige Bursfelder Trift, die zugleich
ein überörtlicher Verbindungsweg - der Mönchsweg - war. Dieser verband
die Kapelle bei Eberhausen mit dem Kloster.